Piqto United und das Problem der Selbstsicherheit
Sunday, July 1st, 2012
Ein Kommentar von Pablo Luengo
Es lief bereits die vorletzte Minute der regulären Spielzeit, als Conrad Risch mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stand und in höchster Bedrängnis mit einem schnellen Anspiel von Mittelfeldkollege Beckmann konfrontiert wurde. Risch stoppte den Ball mit der rechten Innenseite, drehte sich um die eigene Achse und setzte mit dem gleichen Fuß zum Torschuss an. Der Torhüter hatte mit diesem Manöver nicht gerechnet. Regungslos stand er auf Linie und verfolgte die Flugkurve des Balles, welche bedrohlich seine rechte Gehäuseecke ansteuerte. Er hätte nicht den Hauch einer Chance gehabt, ein Unglück zu verhindern. Umso schöner für Ihn, dass der Ball um wenige Zentimeter am linken Pfosten vorbeisegelte – kein Tor, und vorerst keine gewonnene Meisterschaft. Es blieb beim 2:2 unentschieden und Piqto United muss nun am kommenden Freitag gegen Rhenania gewinnen, um am Ende die Kleinfeldsaison als Sieger zu beenden.
Hätte Conrad Risch den Ball versenkt, hätte Piqto United mit hoher Wahrscheinlichkeit das Spiel gewonnen. Die Mannschaft von Trainer Sanders wäre Meister geworden und keinen Mensch hätte es im Nachhinein die Bohne interessiert, wie sich United gegen Fortünnes präsentierte. Aber so ist es nicht gekommen. Im Gegenteil: Bereits mit Beginn der zweiten Halbzeit lag United mit 0:2 zurück. Nur dem türkischen Muskel Beran Gülöz und seinen zwei späten Anschlusstoren ist es zu verdanken, dass nichts schlimmeres passierte. Der Rest der Truppe zeigte sich äußerst Form- und Willensschwach – Temporeich wie Sandsäcke schleppten sie sich über das Grün der Pollerwiesen. Ein Teil der Spieler hat bereits im Vorfeld der Partie fest mit einem Sieg gerechnet.
Der Kölner-Boulevard titelte hämisch mit Verniedlichungsformen und sprach von „Piqulöchen“ und „Täglich grüßt das Kolibrichen“. Auch der Erzfeind FC Rhenania dürfte den Respekt vor dem Team von Trainer Sanders verloren haben. Nicht nur wegen der vielen Niederlagen (insgesamt sechs, bei zwei Siegen), die Piqto gegen die „Blauen“ hinnehmen musste, sondern auch wegen mancher verbalen Unsportlichkeit, die beim zwischenzeitlichen 3:0 für die Kolibris beim Play-Off Viertelfinale, von Teilen der Piqto-Bank auf das Spielfeld drangen. Rhenania schoss daraufhin vier Tore und ging als Sieger vom Platz.
Es sind Böen der Arroganz und Selbstüberschätzung, die Piqto United umwehen und regelmäßig für schmerzhafte Fallhöhen sorgen. Der Kolibri gilt gemeinhin als elegant. Er ist geschickt, graziös, agil und anmutig. Attribute mit denen sich auch Piqto United gerne in Verbindung bringt. Aber was bringt es, wenn bis heute keine bedeutenden Titel in der Vitrine stehen? Gut, das Bunte-Liga Kleinfeldturnier wurde letzten Sommer gewonnen, aber weder beim Südstadt-Turnier noch in der Bunten-Liga und in der Kleinfeld-Liga, konnte das Team am Ende glitzern-goldenes in die Luft recken. Dafür werden die Mikrofone mit Aussagen gefüttert, die stärker an Schönfärberei grenzen, als an rationaler Fehleranalyse.
Piqto United besitzt ohne Zweifel Unmengen an Potenzial, um in der Lage zu sein, eine Ära einzuleiten. Der Grundstein dafür, könnte mit einem Sieg am Freitag gegen Rhenania gelegt werden, aber dafür muss jeder einzelne hungrig nach diesem Titel sein. Momentan erweckt es eher den Eindruck, als seien viele zufrieden mit dem, was bislang erreicht wurde.
Aber kann das der Anspruch einer selbsternannten Spitzenmannschaft sein? Bist jetzt ist Piqto United ein Meister darin, in den wichtigen Momenten auf der Stelle zu verharren. Der Kolibri – der ist es übrigens auch.
