Der Coach verleiht Flügel
Friday, February 11th, 2011
Piqto United dreht ein fast verlorenes Spiel und gewinnt im Test mit 4:2 gegen den Turn- und Sportverein aus Weiß. Niklas “Coach” Sanders, der Mann des Spiels, führte sein Team spät, aber rechtzeitig zum Erfolg.
Irgendwann hatte er genug. Piqto United lag seit der 55. Minute mit 2:0 zurück und hatte sich beinahe schon aufgegeben. Die Mannschaft versuchte viel, doch ihr gelang wenig. Niklas Sanders musste mit ansehen wie sein Team in rasantem Tempo die Verliererstraße hinabbrauste, ohne eine Wendemöglichkeit zu finden. “Ich muss endlich etwas tun“, wird sich Sanders wohl gedacht haben und hatte bis dahin keinen blassen Schimmer, dass er es in die Schlagzeilen schaffen würde. In der 60. Minute verließ er den Posten des Innenverteidigers, um endlich in den Angriff zu wechseln. Die Zuschauer auf den Rängen hatten sich schon gewundert, warum der etatmäßige Stürmer in der Abwehr auflief. „Ich bin Zweikampfstark und wir hatten hinten einige Ausfälle“, so der Spielertrainer von Piqto United. „Deswegen hatten wir beschlossen, dass ich im Abwehrzentrum beginne.“
Im Angriff wurde Sanders allerdings von Anfang an vermisst. Stattdessen musste er als Innenverteidiger zusehen, wie schwer sich seine Mannschaft im Spiel nach vorne tat. Im Mittelfeld und im Sturm fehlte die Kreativität und Durchschlagskraft. Auf zwei mickrige Torschüsse kam der Aufsteiger in den ersten 45 Minuten. Der erste war ein Freistoß und landete im Maisfeld, der zweite hatte die Geschwindigkeit eines Rückpasses. Piqto United schien von einem ungewöhnlichen Unbehagen gehemmt zu werden.
Gut, es ist ein intensives Duell zwischen dem Kölner Nachthimmel und der Weißer Lichtanlage gewesen. Das schwache Flutlicht konnte nur Teile des Platzes ausreichend beleuchten. Manche Bereiche waren stockduster. Ein Scheinwerfer funktionierte erst gar nicht, ein anderer zuckte in unregelmäßigen Abständen, wie man es aus schaurigen Szenen in Krimis kennt. Eine geisterhafte Aura umschlang den einsamen Sportplatz in Weiß. Doch es wäre merkwürdig gewesen, wenn sich gestandene Fußballer davon hätten einschüchtern lassen. Eher waren es die lange Winterpause und die extremen Witterungsbedingungen der vergangenen Monate, die das Mannschaftsgetriebe der Piqtos einrosten ließen. Das Training fällt seit Wochen aus. So mancher Spieler kämpft mit leichtem Übergewicht. „Wir haben es mal wieder nicht verstanden, rein vom Spielerischen das abzurufen, was in uns steckt. Wir müssen endlich wieder regelmäßig gegen den Ball treten.“ analysierte Abwehrchef Mathis Eßer nach der Partie.
In der Tat hatte Piqto United beim Spielaufbau mit Problemen zu kämpfen. Die Zuschauer erkannten keine klare Struktur in den Passwegen. Die Bewegungsabläufe wirkten statisch und unkoordiniert. Vor allem in der Anfangsphase war das Zusammenspiel überhastet und ungenau. Die wenigen, limitierten Angriffsbemühungen der Piqtos, konnte das Defensivgespann des TSV mühelos abwehren. Der Gastgeber aus Weiß präsentierte sich außerordentlich dynamisch und präsent in den Zweikämpfen. Sie investierten mehr in die Partie, doch konnten ihre spielerische Überlegenheit nicht in aussichtsreiche Torchancen ummünzen. Eine Freistoßflanke, die oberhalb auf der Latte landete, war die größte Möglichkeit der Südkölner in den ersten 45 Minuten.
Die zweite Halbzeit versprach weitaus größere Unterhaltung, als der erste Durchgang. Bereits kurz nach Wiederanpfiff. musste Piqto United den ersten Rückschlag einstecken (49.) Eine Unkonzentriertheit in der Abwehr ermöglichte es dem TSV Weiß in Führung zu gehen. Weder Sebastian Würschinger, Marco Cannata, noch Karl von Luckwald konnten den simplen Angriff des Kreisligisten stoppen. Sechs Minuten später erhöhte Weiß auf 2:0. Ein Missverständis zwischen dem herausgerückten Torwart und einem Verteidiger wurde eiskalt ausgenutzt. Der gegnerische Stürmer musste den Ball nur ins leere Tor schieben. Piqto United war auf dem besten Wege das Spiel zu verlieren. Antriebslos und überwältigt von diesem schlagartigen Rückstand starrten die elf Spieler von Piqto United fassungslos in den schwarzen Himmel, der auf ihre Köpfe zu fallen schien. Beran Gülöz, der als einzige Sturmspitze auflief, fraß emsig Kilometer wie ein Langstreckenflieger. Doch auch sein Tank arbeitete mittlerweile auf Reserve. Alleine konnte er keine Wende einleiten. Sein kongenialer Partner stand in der Innenverteidigung und brodelte. Jetzt oder nie!
Eine halbe Stunde vor Abpfiff war endlich schluss damit. Karl von Luckwald übernahm die Rolle im Abwehrzentrum. Der schmerzlich vermisste Niklas Sanders rückte in die Spitze vor. Der 21 Jährige war nun da, wo er sich wohlfühlte. Endlich konnte er agieren und nicht tatenlos zuschauen. Quirlig und leichtfüßig tanzte er durch die gegnerischen Abwehrreihen und erzielte prompt den Anschlusstreffer. Strohmeyer schlug in der 70. Minute einen langen Ball aus dem Halbfeld in den gegnerischen Strafraum. Hoch und unberechenbar titschte er geradewegs auf die Torauslinie zu. Sanders nutzte die winzige Möglichkeit und feuerte die Kugel milimetergenau unter die Latte. In dieser Szene unterstrich der Stürmer, wie so oft, seine einzigartigen Fähigkeiten. Der Winkel zum Tor ist spitzer als eine Bleistiftmine gewesen. “Ich wollte der Mannschaft helfen, doch das das ganze so eine Wendung nimmt, hätte ich nicht gedacht”, sagte Sanders nach der Partie. Acht Minuten nach seinem ersten Treffer schlug er erneut zu. In der 75. Minute setzte er den Ball aus 18 Meter wuchtig in den Winkel. Der gegnerische Keeper war Chancenlos.
Der TSV Weiß wurde zunehmend nervöser. Einfache Zuspiele verfehlten den Mann. Sicher gewonnene Zweikämpfe wurden doch noch verloren. Piqto United dominierte das Geschehen. Auf einmal schien alles ganz einfach zu funktionieren. Die Automatismen griffen zu. Die Pässe und Angriffe wurden mit einer eleganten und mondänen Leichtigkeit vorgetragen. In der 80. Minute hatten die Kolibris endlich ihre Flügel wieder gefunden. Eine butterweiche Flanke konnte Marco Cannata zum 3:2 Führungstreffer einnicken. Kurz darauf überlistete Leo Puglia den herausgeeilten Torhüter und markierte den 4:2 Endstand (83.). “Solche Fußballspiele begeistern die Welt. Unglaublich. Aufholjagden scheinen in Köln jetzt zum Trend zu werden”, sagte Mittelfeldspieler Felix Bold von Piqto United kurz nach dem Abpfiff.
Am letzten Bundesligaspieltag schlug der 1. FC Köln den Deutschen Meister aus München mit 3:2 und holte einen 0:2 Rückstand auf. Milivoje Novakovic ist der Hauptakteur gewesen. Der Stürmer des FC hat mit seinen beiden Toren die Partie entschieden. Gestern Abend hieß der Held Niklas Sanders, ebenfalls Stürmer.
Tim – Felix Bernardy, Mathis Eßer, Niklas Sanders, Sebastian Würschinger – Karl von Luckwald, Conrad Risch, Milan Strohmeyer, Felix Bold, Leo Puglia – Beran Gülöz

Super Spielbericht mit 1,2 ungenauigkeiten.Cannata schießt den Anschlußtreffer und der lange ball vorm 2:2 war von Milan…
aber kannst das ja nicht alles sehen!
super ding!
Gutes Dink Karlo.
Schöner Vergleich:
Milivoje – Niklas.
Auch diese äußerliche Ähnlichkeit…
danke für das große lob
super geschrieben kalle