Entschieden – gewonnen

Souverän und unerwartet gewinnt Piqto United das Bunte-Liga Turnier. Schlüssel zum Erfolg war eine geschlossene Mannschaftsleistung und die Zielsetzung einfach nur Spaß zu haben.

Sekündlich werden Entscheidungen getroffen. Auf der ganzen Welt und von jedem seiner beherbergten Lebewesen. Bewusst oder unbewusst. Gewollt oder ungewollt. Der Chef entlässt seinen Mitarbeiter, der Zocker setzt sein Monatsgehalt aufs falsche Pferd, der Nachtfalter erholt sich auf dem Fernsehbildschirm und wird nach einem kurzen Gefluche aus der Sofaecke nie mehr einen Fern-Seher stören. Entscheidungen bestimmen das Leben, doch nicht alle bringen Leid hervor. Nein, Entscheidungen können auch schöne Geschichten schreiben.  Zum Beispiel, wenn aus dem 50 Cent teuren Anruf am Ende doch eine Luxusreise herausspringt oder wenn Piqto United kurzentschlossen an einem Turnier teilnimmt und am Ende souverän den Pokal in die Luft hebt. So etwas gibt es auch – und letzteres wäre beinahe erst gar nicht zu Stande gekommen.

Die Motivation hatte bei einigen Spielern bereits den Tiefpunkt überschritten, als der Verein in den frühen Morgenstunden des 10. September immer noch keinen ausreichend großen Kader benennen konnte. Kurzfristige Ausfälle, sowie die schon am Tag zuvor bekanntgegebene Abreise von Präsident Hugo Hoppmann und seinem Befehlsempfänger Felix Bold, machten die Situation nicht einfacher. Angeblich versuchten sogar mehrere Spielerfrauen ihre Ehemänner davon zu überzeugen  im Bett zu bleiben. Die Turnierteilnahme drohte zu platzen und die Voraussetzungen schienen alles andere als gut. Als Verteidiger Julius Sundermann in letzter Sekunde doch noch seine Zusage erteilte, bedeutete dies nicht nur eine komplette Mannschaft, sondern auch den Mann des Tages in den eigenen Reihen zu haben.  Er war es, der das Finale gegen die 3Beiner mit seinem Traumtor zum 2:0 vorzeitig entschied und Piqto United den ersten Titelgewinn der neuen Saison bescherte. Dabei wollte er eigentlich den Tag nutzen, um philosophische Grundbegriffe zu lernen.

Die Sonne drückte gnadenlos, fast so gnadenlos wie Piqto United auf das Tor des ersten Gruppengegners. Die Mannschaft „1. An der Theke“ wurde mit 4:0 abgeschossen. Alle Tore erzielte der türkische Nationalspieler Beran Gülöz, dessen unermüdlicher Heißhunger nach saftigen Kilometern einen großen Teil zum späteren Pokalerfolg beitrug. Die einzige Niederlage gegen die „Verbotene Liebe“ hinderte United nicht daran als Gruppenerster ins Achtelfinale einzuziehen.

Wie befreit schlug sich das Team von Coach Sanders durch K.O Runden. Ohne Druck und ohne Zielsetzung. „Wir sind einfach nur mit Spaß an die Sache herangegangen“ sagte Coach Sanders. Von beeindruckenden und mitreißenden Ansprachen des Trainers schwärmten die Spieler später als sich den Fragen der Journalisten in der Mixed-Zone stellten. „Sanders ist ein großartiger Motivator. Jedes Wort seiner heutigen monotonen Ansprachen entfachte das Adrenalin in unseren Adern“ sagte Abwehrchef Fabian Binder. Das 16-jährige Jahrhunderttalent Jannis Hannover, der aufgrund seines erfrischenden  Technikfußballs nicht nur die Goldene Capelli-Medaille als bester Newcomer erhielt, sondern darüber hinaus noch zum wertvollsten Spieler des Turniers gekürt wurde, ging sogar noch weiter. Piqto sei sein absoluter Traumverein und einen schlaueren Fuchs als Trainer Sanders würde es nie mehr geben. „Taktisch ist er einfach der Beste. Wir waren auf jeden Gegner perfekt eingestellt“.

So kam es, dass im Viertel- und Halbfinale nicht nur die Geheimfavoriten “ Bongo Bongo“ und „Torpedo Eisen“, sondern auch die absoluten Titelanwärter „3Beiner“ am System Sanders scheiterten. Zu diszipliniert, zu leidenschaftlich agierte United im Endspiel und ging gleich zu Beginn durch einen sensationellen Fade-Away-Shot von Johannes Liebetrau in Führung. Im Rückwärtsfall knallte der stämmige Verteidiger den Ball unhaltbar ins lange Eck – Dirk Nowitzki wäre stolz gewesen. „Das Team hat heute großartige Arbeit vollbracht und das System zu 100% nach meinen Vorstellungen umgesetzt. Heute sind alle für einander gelaufen und haben ihre Positionen eingehalten, sodass sowohl die Defensive als auch die Offensive äußert gut funktioniert haben“ urteilte Sanders, Bier und Konfetti übergossen wenige Momente nach der Pokalverleihung. „Wir sind ohne klar definierte Zielsetzung in das Turnier gegangen und vielleicht hat gerade das uns so stark gemacht, da wir uns selbst nicht unnötig unter Druck gesetzt haben, sondern einfach unseren Stiefel sauber runtergespielt haben“. Seinen Stiefel runtergespielt hat übrigens auch Julius Sundermann. “Solche Dinger mache ich im Training reihenweise. Schön, dass es jetzt auch mal unter Wettbewerbsbedingungen geflutscht hat!” Damit meint er seinen Treffer im Finale. Beinahe hätte er philosophische Grundbegriffe gepaukt. Jetzt wurde sein Tor bereits über 300.000 Mal auf YouTube aufgerufen. Seine Entscheidung wird er wohl kaum bereuen.

6 FEEDBACKS

  1. Fabes sagt:

    Genial! Sehr schön geschrieben, lustige Anekdoten!

  2. Coach sagt:

    hahaha perfekt! hab mich königlich amüsiert!!

  3. KSTA sagt:

    (sid) “Die freudige Nachricht erreichte den Präsidenten bei seinem Mittagessen am sonnigen Ufer des Limmats in Zürich. Gerüchten zufolge wurden sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt [...] die Turnierhelden empfingen noch am nächsten Abend ihre wohlverdienten Prämien in Form von 5.000 CHF und einer exklusiven Schweizer Qualitätsuhr mit eingraviertem Kolibri und dem Datum des Turniers sowie einer persönlichen Widmung des Präsidenten.”

  4. KStA sagt:

    (dpa) “Die Widmung soll aus den Wörtern “Und jetzt alle in mein Bettchen. Pfirti der Präsi” bestehen”.

  5. Berry sagt:

    einfach nur Jeil!!!!

  6. Julio sagt:

    geijell…Philosophische Grundbegriffe-Rafael Ferber!
    Allez Piqto

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