Wenn der Traum am schönsten ist, wacht man meistens auf.

Dieses Mal sollte es anders werden. Und es kam tatsächlich anders. Wie im Rausch spielte sich die junge Mannschaft von Piqto United ins Halbfinale des diesjährigen Südstadtturniers, um dann gegen Rhenania wieder einmal auszuscheiden.

In den letzten Jahren hat sich Piqto United bei den großen Südstadturnieren nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Mannschaft spielte meistens viel zu überhastet und der Ball hatte einfach keine Lust den Weg ins Tor zu finden. So kam es, dass Piqto United schon oft in der Vorrunde Trikot und Fußballschuhe in die Tasche packen musste und sich unauffällig vom Turnier verabschiedete. Sicherlich lag das chronische Scheitern auch daran, dass die schmächtigen Piqto Buben stets die jüngsten beim Turnier waren und sich gewöhnlich mit größeren, stärkeren, bärtigen, meist grobmotorisch und untalentierten Männern messen mussten. Die Kräfteverhältnisse sind natürlich eindeutig. Da hilft leider auch keine Begabung.

Vor zwei Jahren geschah jedoch etwas sehr überraschendes. Piqto United schaffte mit großem Glück als Gruppenzweiter zum ersten Mal den Sprung in die nächste Runde. Wie es soweit kommen konnte bleibt vielen bis heute ein Rätsel. Der Pokal hat eben seine eigenen Gesetze und United stand im Viertelfinale. Rhenania, der damalige Gegner, kam, spielte und fegte Piqto United trocken und erbarmungslos mit 4:1 vom Platz. Immerhin ist man gegen den späteren Turniersieger ausgeschieden.  Bestürtzt und wütend schwor man Rache und pochte auf eine Revanche. Das es zwei später zu der Gelegenheit kommen sollte, wusste damals noch keiner.

7. Juni 2009. Um halb 10 Morgens findet sich die Mannschaft von United am ausgemachten Treffpunkt zusammen. Der Himmel ist grau und es weht ein kühler Wind. Für den Nachmittag ist Regen angesagt. Heute ist das große Südstadtturnier, auf das man sich lange vorbereitet hat. In den letzten zwei Jahren hat sich viel getan. Die Gruppe ist älter, reifer und kräftiger geworden. Die Mannschaft wird langsam erwachsen. Einige tragen jetzt auch einen Bart und man wird nicht mehr der jüngste bei diesem Wettbewerb sein. Piqto United wurde professionell. Es gibt eigene Trikots, Fanartikel und einen Trainer. Der Kader ist von der Größe und von der Qualität her gewachsen. Alle Spieler haben in ihrer Entwicklung gewaltige Schritte nach vorne gemacht. Neue Männer sind ins Team hineingerutscht und verschärfen den Konkurrenzkampf. Das Training ist in den letzten 12 Monaten entschieden ernster geworden, denn alle kämpfen um einen Stammplatz beim Südstadtturnier. An jenem besagten Morgen spürt jeder einzelne, dass heute etwas zu holen ist. Kurz bevor United zum Spielort aufbrechen will kommen zufällig die Jungs von Rhenania vorbei, die sich ein paar Meter weiter treffen und ebenfalls am Turnier teilnehmen werden. Die Teams schütteln sich untereinander die Hände. Das Verhältnis ist locker geworden, man kennt sich nun und geht manchmal gemeinsam feiern. Die Erzfeindschaft zwischen beiden Vereinen wird jedoch immer bestehen bleiben.

Piqto United startet gut in den Wettbewerb. Die erste Partie endet zwar unentschieden, doch man war das Spielbestimmende Team. Das macht Mut für das zweite Match, doch der alt bekannte Schlendrian droht sich erneut einzuschleichen. Das nächste Spiel muss für sich entschieden werden, um sich ein den Druck vom Hals zu schaffen. An einen Rückfall in alte Zeiten will hier jedoch keiner denken.  United gewinnt nächste Spiel glücklich, aber letztendlich doch verdient. Auch im dritten Spiel wird souverän der nächste Dreier eingefahren. Die erste Hürde der Vorrunde ist erfolgreich überschritten worden. Eins ist klar: Bei diesem Turnier präsentiert sich eine komplett andere Mannschaft als vor zwei Jahren. In ihrer Spielweise ist keine Fahrlässigkeit  und keine Hektik ist zu erkennen. Die Chancen die PiqU bekommt werden eiskalt genutzt.

Drei weitere Gruppenspiele stehen noch bevor. Wenn zwei davon gewonnen werden ist man sicher im Viertelfinale. Die Anspannung steigt ein wenig. In der Vergangenheit hat man die wichtigen Spiele alle verloren. Nun sind wieder Nerven gefragt. Der nächste Gegner ist eine ebenfalls junge Truppe und hat einige athletisch aussehende Spieler in den Reihen, die optisch Christiano Ronaldo ähneln. Der erste Eindruck ist natürlich respekteinflößend. Ein paar Momente nach Anpfiff stellt sich aber heraus, dass diese Imitate mehr Zeit vor dem Spiegel als auf dem Fußballplatz verbringen. Piqto United gewinnt ungefährdet mit 3:0. Mit 10 Punkten ist man mittlerweile Gruppenerster und fast sicher für die nächste Runde  qualifiziert. Gegen die Ubierschänke reicht es in einem harmlosen Spiel zu einem Unentschieden. Der letzte Gegner wird mit 1:0 geschlagen und mit einer breiten Brust als Gruppensieger zieht Piqto in die nächste Runde ein.

Das Viertelfinale wird jeden Moment angepfiffen. Ganz nah an Gegners Hälfte bildet das  gesamte Team noch mal einen Kreis und brüllt drei mal “Piqto United”. Hoffentlich sind die Kontrahenten eingeschüchtert. In der Gruppenphase hat es zumindest Glück gebracht. United dominiert das Geschehen und geht früh in Führung. Kurze Zeit später kann nachgelegt werden. Der Anschlusstreffer des Gegners fällt kurze Augenblicke vor dem Abpfiff und bringt keine Gefahr mit sich.  Verdient, tonangebend und souverän wurde Runde für Runde erkämpft. Piqto United steht zum ersten Mal im Halbfinale. So langsam realisieren die Spieler, was heute wirklich erreicht werden kann. Die Zuversicht, dieses innere Gefühl der Überzeugung von heute Morgen hat festen Boden bekommen. Heute kann man das Ding hier gewinnen. “Es ist wie ein Traum” sagt der Trainer kurz nach Spielende.

Die andere Viertelfinalpartie ist noch in der Endphase. Der Gewinner muss gegen Piqto United spielen. Rhenania führt gegen Turista Süd. Das Match ist spannend, doch Turista tut sich schwer den Anschlusstreffer zu erzielen. Mit jeder weiteren Minute steht Rhenania sicherer im Halbfinale. Es ist nicht mehr lange zu spielen. Die gesammte Mannschaft von PiqU steht am Spielfeldrand und hofft auf eine Revanche gegen den Erzfeind aus der Nachbarschaft. Der Schiedsrichter pfeift pünktlich ab. Die Spieler Rhenanias springen vor Freude in die Luft und fallen sich um die Arme. Die Spieler von Piqto United ebenfalls, denn jetzt kann endlich Vergeltung geübt werden.

Das Wetter schlägt um und die prognostizierten Regenschauer prasseln auf die Fußballfelder in Poll. Der größte Teil der Menschenmasse hat das Turnier bereits verlassen und den Heimweg angetreten. Die Übriggebliebenen versuchen unter dem einzigen Bierzelt ein trockenes Fleckchen zu ergattern. Von dort hat man einen guten Blick auf die vordere Spielfeld des Turniers.  Auf dem hinteren Platz wird gleich Piqto United gegen Rhenania antreten. Der Regen hat mittlerweile etwas nachgelassen. Wenige Meter vor der Mittellinie bildet PiqU erneut einen Kreis und brüllt den Kampfschrei so laut wie noch nie. Die Anspannung steigt. Noch nie ist Piqto soweit gekommen. Wenn nicht jetzt wann dann? ” Wir können Geschichte schreiben ” ruft der Coach nocheinmal seinen Schützlingen auf dem Platz zu. Der Unparteiische ruft beide Kapitäne zu sich fordert ein faires Spiel. Kurz danach gibt er das Signal zum Anpfiff. Die Partie beginnt zerfahren. Beide Teams tasten sich ab. Der Rasen ist nass und der Ball schwer zu kontrollieren. Ausgerechnet im Halbfinale gegen Rhenania hat Piqto große Probleme sein Spiel durchzubringen. Die Souveränität und Leichtigkeit mit der man vorher die Gegner dominiert hatte, scheint verschwunden zu sein. Die Maschine stockt, der Spielfluss lahmt. Nach 5 Minuten kann PiqU das Gegentor nicht mehr verhindern. Zum ersten Mal gerät die Mannschaft in Rückstand und hat große Probleme mit dieser Situation umzugehen. Vielleicht wäre es besser gewesen, hätte man in der Vorrunde schonmal gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner ein Spiel gedreht. Der Trainer wechselt und setzt auf volle Offensive, doch es ist wie verhext. Die Mannschaft schafft es nicht den Schalter umzulegen. Rhenania nutzt diese konfuse Planlosigkeit und erhöt auf 2:0. Es sind noch drei Minuten zu spielen. Der Regen setzt wieder ein. Es gießt in Strömen. Jetzt kann nur noch ein Wunder helfen. Gegeben hat es sowas schon, doch heute wird es nicht so weit kommen. United muss sich im Halbfinale gegen Rhenania erneut geschlagen geben. Als der Schiedsrichter abpfeift, ist der Traum von einer Revanche und dem Gewinn des Südstadtturnier endgültig geplatzt.  “Wenn man im Halbfinale steht, ist der Weg zum Pokal nicht mehr lang” erklärt Kapitän Gülöz den Reportern, um anschließend hinzuzufügen, dass es ” doppelt so bitter” sei “auch noch gegen Rhenania rauszufliegen. Das hatten wir uns anders vorgestellt.” Dann ließ er die Journalisten im Regen stehen, um zu seiner Mannschaft zurückzukehren, die stillschweigend unter einem großen Baum ins Leere blickte. Unmittelbar nach dem Spielende begreift United noch nicht, dass sie sich bei diesem Turnier hervorragend verkauft hat. Dieses Team wird mit Sicherheit in den nächsten Jahren das Südstadtturnier gewinnen.

17 FEEDBACKS

  1. Felix sagt:

    stark! Federer hat auch 4 jahre gebruacht um die French Open zu holen, wir holen den Pott auch noch!!

  2. Hugo sagt:

    Ein fantastischer, schöner Artikel.

    Ich bin stolz auf euch, Jungs.

    euer,

    HUGE

  3. Simmel sagt:

    Optimal Kalle!!!

  4. Coach sagt:

    super artikel karl!

  5. Fabes sagt:

    Ganz stark, sehr gute und wahre Pointe ;)

  6. Patrick sagt:

    Jungs, ich muss euch enttäuschen, wenn Hagen West auch in den kommenden Jahren mit der Besetzung antritt spielt auch die Zeit leider nicht für euch.

  7. Fabes sagt:

    Der Pokal schreibt seine eigenen Gesetze!

  8. Felix sagt:

    scheiss mal bitte auf hagen west

  9. vinc sagt:

    Schöner Artikel Kalle.
    Sieht nach viel Arbeit aus das Ganze.

  10. Kalle sagt:

    pätti blablabla ihr seid eine zusammengekaufte truppe wie hoffenheim. gegen euch hätten wir gewonnen!

    SCHEIß AUF HAGEN WEST! cheater mannschaft

  11. Kalle sagt:

    wir können ja mal nen freundschaftsspiel machen ;)

  12. Simmel sagt:

    Echt man, scjeiß ma dieckstens auf Hagen West

  13. Coach sagt:

    junge junge der 2 erzfeind ist geboren:D

  14. Fabes sagt:

    Lass den Retortenverein doch reden… Erzfeind, da gehört schon mehr dazu als einmal ein bisschen die Klappe auf zu machen… Was stört sich die Eiche, wenn sich die Sau dran reibt?

  15. Kalle sagt:

    Was stört sich der König, wenn der Gaukler muckt lol

  16. pippo sagt:

    was stört sich der Kuchen ,wenn die Krümel reden….!!! hahaha

  17. Mucheasy sagt:

    ihr nopps!

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